Archive for September, 2006

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Medienverhalten junger Menschen: Ist Werbung tot?

September 29th, 2006 by Remo Uherek

Wieder einmal gibt es ein unterhaltsames Panel moderiert von Guy Kawasaki. 6 junge Menschen aus der Bay Area wurden über ihr Medien- und Technologieverhalten befragt, um von der älteren Generation (= Eltern, Investoren und Co.) besser verstanden zu werden. Film ab:

Medium: video.google.com
Link: video.google.com

Alternativ: Getaggte Version des Videos auf veotag

Learnings aus dem Panel:
- Es werden bis zu 4000 SMS pro Monat verschickt (da soll mal einer sagen, SMS sei in den USA noch nicht angekommen)
- Mobiltelefon ist deutlich wichtiger als Festnetz
- Mit Mobiltelefon werden i.d.R. keine Fotos gemacht. Fotos werden mit separaten Digicams gemacht
- Praktisch jeder hat sowohl einen Myspace- als auch Facebook-Account
- Die durchschnittliche Anzahl “Freunde” bei Myspace/Facebook ist 100. “Topuser” haben bis zu 700 “Freunde”
- Die “Top 8 Friends” haben bei manchen eine hohe soziale Bedeutung
- Diejenige, die 4000 SMS schreibt, hat gleichzeitig noch über 40 IM-Fenster offen. Sie kommuniziert nur noch den ganzen Tag und hat keine Zeit mehr für sonst etwas
- Manche kaufen alles online (auch Lebensmittel). Es geht sogar so weit, dass sie Schuhe/Kleidung im Laden ausprobieren (um sicherzustellen, dass es passt) und dann via Preisvergleich online kaufen. Das gefällt mir :-). D.h. der Trend scheint wirklich dahin zu gehen, dass man alles online kauft.
- Musik: Auf iTunes werden zwischen $10-50 pro Monat ausgegeben. Gut im Rennen sind auch Pauschalangebote wie Yahoo Music.
- TV: Konsum ist deutlich rückläufig (ca. 1 Stunde pro Woche). Werbung wird mit Festplattenrecordern (TiVo und Co.) übersprungen. Good luck @ TV-Industry ;-)
- Musik: Jeder hat einen iPod
- Apple-Produkte erleben deutlichen Aufwind (durch iPod und Co.)
- Die durchschnittliche iTunes-Sammlung umfasst ca. 1000-3000 Songs
- Videos werden auf iPod selten geschaut (zu teuer, braucht zu viel Strom)
- Der Computer ist das Zentrum der jungen Leute (welch Überraschung)
- Lokale Software (wie MS Office) ist immer noch sehr wichtig
- Werbeblocker sind im Trend (sowohl beim TV als auch bei Websites)
- Mund-zu-Mund Marketing (Empfehlungen von Freunden) scheint wichtiger zu werden. Auch Marken scheinen wichtiger zu werden. Wenn man einmal einen guten Anbieter gefunden hat, bleibt man mit hoher Wahrscheinlichkeit bei ihm, wenn es nicht einen deutlichen Anreiz gibt, zu wechseln.
- Myspace/Youtube könnten sich als gute Werbeträger eignen. Aber nicht im old-school Bannerstyle (merke: Banner werden ausgeblendet, entweder via Hirn oder via Werbeblocker), sondern mit neuen Varianten (branded channels etc.)
- Physische Medien werden beachtet: Riesenplakate, Magazine etc. (z.B. wird Wired sehr stark gelesen)
- Games: Wenn gespielt wird, dann hauptsächlich online (Singleplayer-Modus wird kaum gespielt). Werbung in (Online-)Spielen wird kaum beachtet
- Online-Videoclips werden rege benutzt (CNN, Youtube und Co.)
- Email ist sehr wichtig (v.a. für formelle Schreiben)
- Wikipedia konkurrenziert mit Suchmaschinen bei Informationssuche
- Konvergenz ist wichtig. Niemand will für jede Funktion ein eigenes Gerät. All-in-one Systemen gehört die Zukunft.
- Wireless ist ein grosses Thema. Niemand hat Lust auf dutzende Kabel und Adapter
- Internet via Mobiltelefon ist noch zu teuer (ca. $60). Wäre es günstiger, würde es öfter genutzt (ca. $15)

Achtung: Diese Aussagen sind natürlich mit Vorsicht zu geniessen. Bei einer Stichprobe von 6 Leuten darf man natürlich streng genommen gar keine induktiven statistischen Aussagen machen.

Und wenn wir schon dabei sind, hier noch mein “Profil”:
- Ich sende im Durchschnitt 1 SMS pro Tag
- Ich erhalte/tätige im Durchschnitt je 1 Anruf mit Mobiltelefon und mit Festnetz pro Tag
- Ich benutze keinen IM (ich hasse es, es lenkt mich zu sehr ab!)
- Ich mache keine Fotos via Mobiltelefon, jedoch via Digicam (Casio Exilim –> SEHR zu empfehlen). Videos mach ich auch mit meiner Exilim (sehr gute Qualität).
- Mobiltelefon ist wichtig, aber nicht mein Zentrum (Zentrum ist immer noch der PC)
- Mein Palm ist mein Gehirn und mein mobiles Fotoalbum (und vermutlich wirds bald ein Treo werden, siehe das Thema Konvergenz weiter unten)
- Ich benutze Social Networks nicht sehr oft (am meisten benutze ich openBC zur professionellen Kontaktpflege; Rest ist Firlefanz)
- Ich würde am liebsten alles online kaufen, tue es aber noch nicht (ist aber nur eine Frage der Zeit, also der Gewohnheit)
- Ich höre keine Musik
- Ich besitze seit 6 Jahren keinen TV mehr
- Lokale Software ist für mich immer noch sehr wichtig (Office, Bildbearbeitung etc.)
- Ich benutze keinen Werbeblocker (ausser Popupblocker in Firefox); klicke aber sehr selten auf Bannerwerbung. Layerwerbung wird nicht beachtet.
- Mund-zu-Mund ist mir sehr wichtig (aufgrund Informationsüberflutung verlasse ich mich auf Empfehlungen von Freunden)
- Physische Medien (Bücher, Magazine) benutze ich oft
- Ich spiele nicht
- Ich liebe Online-Videos und bin überzeugt, dass ich mir bald meinen eigenen Channel zusammenstellen kann, der auf meine Interessen zugeschnitten ist (= modernes TV)
- Email ist mir sehr wichtig
- Wikipedia ist mir sehr wichtig (generell vertraue ich den Informationen)
- Konvergenz/Wireless ist wichtig. All-in-one Geräten gehört die Zukunft
- Ich benutze kein mobiles Internet (zu unbequem, zu teuer)

Fazit:
1. Auf das Geschäftsmodell “Werbung” würd ich mich nicht verlassen. Für gute Dienstleistungen/Produkte gibt es meines Erachtens immer eine gewisse willingness to pay. In der Werbewelt wird meiner Meinung nach nur noch “intelligente” Werbung funktionieren. Billige/untargetierte Anzeigen haben langfristig wohl keine Chance.
2. Mund-zu-Mund wird immer wichtiger (und vermutlich die Frage, wem man überhaupt vertrauen kann/soll)
3. Konvergenz/Wireless ist ein heisses Thema

Frage in die Runde:
Wie sieht Euer Medienverhalten aus? Was sind Eure Learnings? Ich freue mich auf alle Kommentare.

Updates:
1. Marktforscher aufgepasst: Bei Ayom und RealWWZ sind bereits mehrere Menschen meinem Beispiel gefolgt und haben ihr Verhalten offenbart.
2. Universitäten aufgepasst: Da könnte man ja glatt eine grösser angelegte Studie zum Thema machen. Fänd ich interessant.

XING-Video: EveryXING new, EveryXING better

September 28th, 2006 by Remo Uherek

Seit kurzem ist das XING CEO-Video online. Ich finde es ausgezeichnet gemacht. Vor allem die Symbolik mit den gekreuzten Fingern könnte gewaltiges multikulturelles Potenzial haben. Ich sehe schon die XING-Events vor mir, wo alle zusammen in einem Kennenlern-Ritual die Finger kreuzen und XING schreien :-).

XING Video

Ich bin gespannt, was die openBC-Mitglieder (und vor allem die kritisch gestimmten) zum Video sagen werden.

Update
Nun hat XING auch Alexa erobert. Und auch der Reichweitengewinn von openBC ist deutlich spürbar:

Alexa Xing

Xing Alexa

PS: Das war vorläufig der letzte Beitrag zum Thema XING. Lasst uns mal ein paar Wochen Gras drüber wachsen.

Film Startup.com: Die Lehren aus govWorks.com

September 27th, 2006 by Remo Uherek

kaleil

Wie beim Bubble-Beitrag geschrieben, hab ich den Startup.com Film bei Amazon bestellt. Ich habe den Film zwischenzeitlich zweimal geschaut, um ihn richtig zu verstehen. Beim ersten Durchlauf hab ich noch geglaubt, dies sei eine fiktive Pseudo-Dokumentation. Doch die Making-Of Story hat mich eines Besseren belehrt. GovWorks hat offenbar tatsächlich existiert, obwohl ich noch nie davon gehört habe (siehe Timeline des Unternehmens).

Kurzzusammenfassung:
- Idee: Mit eGovernment-Plattform und Börsengang innert Rekordzeit zum Milliardär werden und mit dem Dokumentarfilm Geschichte schreiben.
- Finanzierung: $60 Mio Venture Capital
- Mitarbeiter: Innert eines Jahres auf über 200 Leute gewachsen
- Konkurrenz: War schneller und besser
- Umsatz: Minimal –> VCs drehten nach Platzen der Blase Geldhahn zu
- Filmmaterial: Mehrere hundert Stunden Dokumentation während des Aufbauprozesses (mit Zustimmung der Gründer). Der Film sollte den “IPO” als Happy-End haben, endete letztendlich im Bubble 1.0 Crash ;-).

Learnings:
- Immer zuerst Prototypen erstellen und Prove-of-Concept bieten
- Das Geschäftsmodell sollte von der ersten Sekunde weg Umsatz generieren
- Aufnahme von Risikokapital nimmt viel Management-Ressourcen in Anspruch
- Gute Kontakte sind das A und O
- Business und Privates sollte man bestmöglichst trennen
- Das Management sollte eine klare Linie und eine klare Struktur haben (nicht jeder kann CEO sein)
- Das Entwickler-Team sollte gut ins Unternehmen integriert werden
- Ein Termin beim Präsidenten ist kein Garant für Erfolg ;-)

Weitere Links:
- Bei m-e-x.de gibts noch mehr Infos zum Film
- Govworks.com bei Archive.org

XING-Logo wurde veröffentlicht

September 24th, 2006 by Remo Uherek

xing-logo

Das Logo ist nun bei xing.com und xing.de zu sehen.

Wie das Logo live aussehen könnte, illustriert Arno Klein schonmal vorab:

Xing Arno

Ich find das Logo gut und implementiert sieht es ja sogar noch besser aus.

(via CIO und Beni)

Inzwischen hat Thomas Gad, der openBC beim Rebranding unterstützt, einen sehr schönen Kommentar verfasst, der die ganze Situation um XING schön zusammenfasst:

Changing names are always a traumatic process for everyone that has got attatched to a name somehow. I have helped companies do it so many times in my 20+ years of branding experience. Everytime the same things happens, first the new name feels akward, then it becomes OK, and then finally loved even by those who first were not enthusiastic. Maybe openBC is an exeption. I doubt it…since XING from my professional experience is a really great and differentiating name.

Updates

1. Langsam sickert die News Richtung Mainstream. Wann folgt Heise und Co.?

2. Die offizielle Pressemitteilung ging am späten Nachmittag des 25.9.2006 raus

3. Seit dem Abend des 25.9.2006 gibt es eine offizielle Vorschau auf XING

XING Sala Bim: Der Tag danach

September 24th, 2006 by Remo Uherek

Ich hoffe, die Meisten hatten inzwischen Gelegenheit, eine Nacht über XING zu schlafen.

Diesen Beitrag möchte ich benutzen, um die gestrigen Ereignisse ein wenig zu reflektieren und gewisse Themen, die angeschnitten wurden, zu kommentieren.

Auswirkungen

Es mag vielleicht naiv klingen, aber bei meiner Veröffentlichung hab ich die Auswirkungen unterschätzt (Dietrich Dörner könnte ein Lied davon singen). Ich liebe Marken (um dies zu illustrieren: Die 500 bekanntesten Marken der Welt sind derzeit meine Nachtlektüre). Und als ich von XING erfahren habe, war die Freude über den neuen Namen so gross, dass ich es einfach nicht für mich behalten konnte und Ayom davon erzählen musste (der Thread bei Ayom hat mich im übrigen dazu inspiriert, nach eingetragenen Marken zu suchen). Ich bin überzeugt davon, dass XING openBC langfristig global in eine neue Liga katapultieren und den grossen Brands dieser Welt in nichts nachstehen wird.

Positive Auswirkungen:
- Technorati quillt über und hat XING zwischenzeitlich auf Platz 3 der meistgesuchtesten Begriffe katapultiert
- openBC kann in der geplanten Kommunikation von nächster Woche bereits sehr intensiv auf das Feedback eingehen

Negative Auswirkungen:
- Anstatt ruhiges Wochenende gibt es wahrscheinlich Überstunden in der Zentrale
- Die umfassenden Diskussionen wären bereits jetzt auf die geplante Kommunikation angewiesen. Stattdessen scheinen openBC die Hände gebunden und die dringend nötigen Erklärungen und Argumente können nicht umgehend platziert werden (meines Erachtens die verheerendste negative Auswirkung). Oder ist man bereits vorbereitet und wird bereits Anfang Woche mit der Kommunikation beginnen?

Über Ethik, Plaudertaschen und Co.

Dass mich vielleicht manche als Plaudertasche bezeichnen, kann ich ihnen nicht übel nehmen. Dass ethische Bedenken aufkommen, auch nicht. Ich bin offen für eine konstruktive Diskussion, die uns hoffentlich allen (und mir insbesondere) eine Lehre sein wird.

Stimmen

Die tolle News ist eben eine Woche vorher durchgesickert. Viele Blogger haben es bereits lange im Vorfeld selbst recherchiert und beschlossen nicht darüber zu bloggen. Wir werden nach wie vor aller Voraussicht nach Ende der Woche umfassender kommunizieren und einen ersten Einblick auf Logo und die neue Platform zeigen.

Quelle: Daniela Waschow

Leider habe ich davon nichts mitbekommen.

Remo Uherek schreibt später in als Kommentar (klingt für mich wie die Nachwirkung nach einer hochnotpeinlichen Befragung, oder Androhung von Höllenstrafen)

“Im Nachhinein frage ich mich tatsächlich, ob es gescheit war, dieses “offensichtliche Geheimnis” (Anmerkung: z.B. offene Registrierung WIPO) öffentlich auszuplaudern. Vielleicht hätte ich mich zuerst mit openBC in Verbindung setzen sollen … “

Na ja, vielleicht um OpenBC (dem Unternehmen) Gelegenheit zu geben, dazu Stellung zu nehmen, aber doch bitte hoffentlich nicht, um eine Erlaubnis für die Veröffentlichung zu erhalten …

Anlaß – vielleicht? – sich über einen Codex ‘Blogger-Ethik’ Gedanken zu machen?

Quelle

Bloggerethik, gute Idee. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht (ich bin ja schliesslich ein Blogging-Greenhorn, welches erst seit dem 3. August 2006 in der Blogosphäre rumschwirrt). Der Bloggers’ Code of Ethics sieht ja auf den ersten Blick ganz vernünftig aus.

Der/diejenige hat damit zwar OpenBC keinen Gefallen getan, aber Karma. Ich habe zwar keine Eisen im Feuer bei OpenBC, aber so erfährt man wenigstens auch über das Medium Blog, wem man tunlichst im one-to-one nix erzählen sollte, weil seine detektivische Ader mit ihm durchgeht :)

Quelle

Wenn man etwas unter dem Deckel halten will, sollte man vermutlich auch im one-to-one niemandem davon erzählen. Viele Menschen sind neugierig und wie man sieht genügt eine unvorsichtige Plaudertasche zur Lüftung eines Geheimnisses :-).

Kritik am Namen und meine Meinung

1. Keine Einbeziehung der Community in den Entscheidungsprozess
(u.a. Comdao)

Obwohl das natürlich sehr wünschenswert wäre, stelle ich es mir EXTREM schwierig vor. Wie will man 1.5 Millionen Menschen, die 16 Sprachen sprechen, demokratisch auf eine Linie bringen? Vergleiche dazu z.B. das Condorcet-Paradox, das Arrow-Theorem oder ganz allgemein die Public Choice Theorie. Kleines Szenario zur Veranschaulichung: Angenommen, openBC hätte 3 Namen zur Auswahl gestellt (und somit den dreifachen finanziellen Aufwand für Domainkäufe und Markeneintragungen gehabt). Und angenommen, jeder Name hätte 1/3 Zustimmung erhalten, dann wäre es egal, für welchen Namen man sich entscheidet, bei jeder Variante müsste man 2/3 der Mitglieder enttäuschen. Obwohl ein Einbezug der Community löblich wäre, finde ich, dass Branding eine Sache der Geschäftsleitung, des Aufsichtsrats und vielleicht noch allfälligen Grossaktionären sein sollte. Alles andere ist in meinen Augen Ideologie.

Wo man die Community wiederum sehr gut einbeziehen kann, ist in die Kommunikation. Leider scheint openBC derzeit nicht auf umfassende Kommunikation vorbereitet zu sein (woran ich ja offenbar nicht ganz unschuldig bin). Ich bitte alle Diskussionsteilnehmer und Kritiker bis nächste Woche zu warten und openBC eine Chance zu geben, den Schritt umfassend zu erklären.

2. XING ist nicht einzigartig
(u.a. Comdao)

Bei einem vierbuchstabigen Namen ist es heutzutage fast unmöglich, wirklich einzigartig zu sein. Ich stimme zu, dass es nicht ganz optimal ist, dass es bereits so viele verschiedene XINGs gibt. Dennoch ist die Einzigartigkeit mit den Domains xing.com, xing.de und den eingetragenen Wortmarken zumindest in den für XING relevanten Markenklassen meines Erachens gewahrt. Ausserdem bin ich überzeugt, dass früher oder später noch die restlichen relevanten Länderdomains gekauft werden können.

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